Der Lehrplan

Das erste Jahr

Im ersten Jahr der Feldenkrais Ausbildung werden alle grundlegenden Aspekte der Methode eingeführt. Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung werden in großem Umfang unterrichtet und das Verständnis für das pädagogische Konzept entwickelt. In der Selbstbeobachtung und Beobachtung anderer werden die kinästhetische Wahrnehmung und die Fähigkeit, Bewegung zu erspüren und zu beobachten, verfeinert. Das Grundverständnis für menschliche Lernprozesse wird gebildet. In Vorträgen, u.a. auch von externen Dozenten, sowie praktischen Übungen, wird die kindliche Bewegungsentwicklung im Zusammenhang mit anderen Aspekten der körperlichen, sensorischen und motorischen Entwicklung beleuchtet.

Anhand von Feldenkrais Bewegungslektionen werden fundamentale Ideen der Methode vorgestellt – z.B. aus Anatomie, Biomechanik, Neurophysiologie und Kommunikationstheorie. Erste Erfahrungen im Berühren und Begleiten von Bewegung werden angeleitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Entwickeln von Kompetenzen wie Sensitivität, Bewusstheit und Unterscheidungsvermögen. Die Anatomie des Skeletts und grundlegende Prinzipien von Bewegung werden praktisch erforscht. Wie bei jeder Fähigkeit, welche von der Feinheit des eigenen Wahrnehmungsvermögens und senso-motorischer Präzision abhängt, ist kontinuierliches Üben mit verschiedenen Personen wichtig und führt so zu ersten Schritten in der Funktionalen Integration.

Das zweite Jahr

Eines der Hauptunterrichtsthemen während des zweiten Ausbildungsjahres ist das Erlernen der pädagogischen Aspekte für das Unterrichten von Bewusstheit durch Bewegung. Die Lektionen werden in ihrer Struktur analysiert, ein Zusammenhang zu ihrer funktionalen Wirksamkeit und zu Prinzipien und Theorien des Lernens wird hergestellt. Ein breit gefächertes Spektrum an Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung wird erlernt und so die Kompetenz erworben, für die unterschiedlichsten Berufsfelder und Ziele ein spezifisches Angebot entwickeln zu können. Die Studenten/Innen lernen mit Stimme, Präsentation und Unterrichtsgestaltung umzugehen. Am Ende des zweiten Jahres unterrichtet in der Ausbildung jede Studentin, jeder Student mehrere von Trainern supervisierte Probestunden und erhält danach die Berechtigung, Gruppen in Bewusstheit durch Bewegung als „Feldenkraispädagog/In in Ausbildung“ öffentlich zu unterrichten. Die Fertigkeiten in Funktionaler Integration werden weiterentwickelt, vor allem das Verständnis für funktionale und vernetzte Denkweisen, das präzise Erlernen von grundlegenden Techniken und dreidimensionaler Orientierung. Am Ende des zweiten Jahres verfügen die Studenten/Innen über die praktischen Fähigkeiten, einfache Einzelstunden zusammenzustellen und durchzuführen. Von Anfang an wird viel Wert auf die Selbstorganisation beim Ausüben der Funktionalen Integration gelegt, d.h. die Studenten/Innen arbeiten kontinuierlich daran ihr eigenes Sensorium und ihre Haltung, Bewegung und Ausrichtung weiter zu optimieren.

Das dritte Jahr

Die zugrunde liegende Dynamik zwischen Bewusstheit durch Bewegung und Funktionaler Integration kann jetzt noch besser verstanden werden, tägliche ATM Lektionen auch von größerer Komplexität vertiefen Erfahrung und Wissen. Funktionale Themen werden übertragen in die Einzelarbeit, und mehr Spektrum und technisches Geschick entwickelt. Der Aufbau von Serien und aufeinander folgenden Stunden in Funktionaler Integration wird klarer. Dabei wird nicht lediglich wiederholt, was im Unterricht demonstriert wurde, sondern mehr und mehr nehmen die Studenten/Innen an Situationen teil, wo sie aktiv und kreativ eigene Lösungen und Strategien entwickeln können. Im dritten Jahr beginnen die Studenten/Innen in der Ausbildung Einzelstunden mit Klienten von außerhalb zu praktizieren. Es wird viel Raum für Supervision, Feedback und individuelle Begleitung zur Verfügung gestellt. Das theoretische Lernen vertieft relevante Aspekte aus Anatomie und Physiologie (z.B, die Physiologie des Atems, Bewegungsmechanik, Sinnesphysiologie), Entwicklungspsychologie (Bewegungsentwicklung und Lernen, emotionale Reifungsprozesse), Neurowissenschaft (z.B. Theorien zu Wahrnehmung, Bewusstheit und Lernen, Gehirnentwicklung) und Kommunikation (Sprache, Kontakt, Selbstregulation, systemische Aspekte). Vorträge, Videos, Buchbesprechungen, Gruppenarbeiten und Gruppendiskussionen schaffen ein interaktives und anregendes Lernklima. Es findet kein herkömmlich schulisches Lernen statt, vielmehr werden die Studenten/Innen angeregt, ihren persönlichen Lernstil zu finden und eigene Interessensschwerpunkte zu kreieren.

Das vierte Jahr

Im vierten Jahr werden alle Themen der ersten drei Jahre vertieft. Die Anwendung der Funktionalen Integration wird kunstvoller, auch herausfordernde Positionen und Situationen werden gewählt, und das Verständnis für die zugrunde liegende funktionale Dynamik vertieft. Es wird verstärkt in Kleingruppen, mit Supervision und Feedback gearbeitet. Der Ausbildungsleitung ist es ein besonderes Anliegen, dass die Studenten/Innen lernen, über ihre Arbeit zu sprechen und kompetent darüber zu kommunizieren. Schriftliche Klienten-Dokumentationen werden geübt. Im vierten Jahr unterrichtet jeder Student/In für eine oder mehrere Personen eine Serie von drei Lektionen in Bewusstheit durch Bewegung oder Funktionaler Integration und reflektiert über ihre/seine Erfahrung in schriftlicher Form. Hierbei können auch persönliche Interessen und Lernsituationen gewählt werden, wie z.B. bei der Arbeit mit bestimmten Berufsgruppen. Supervisierte Übungsgruppen außerhalb der Ausbildung ermöglichen Praktika der Funktionalen Integration. Erfahrene Feldenkraispädagogen, die die Feldenkrais Methode® in andere Berufsfelder oder in ihre Ursprungsberufe integriert haben (z.B. mit Musikern, Sportlern, Schauspielern oder in die Arbeit mit Kindern oder Senioren) werden im Laufe der ganzen Ausbildung eingeladen, ihre Arbeit in der Ausbildung vorzustellen, um so Modelle und Ideen für die eigene Berufsentwicklung zu generieren. Im vierten Jahr gibt jede/r Student/In mindestens zwei Einzelstunden in Funktionaler Integration unter Supervision des Ausbildungsteams. Sie sollen zeigen, dass eine offene, respektvolle Lernhaltung entwickelt wurde, Bewegungsmuster erspürt und analysiert werden können, eine gute Selbstorganisation erworben wurde, und eine dem Klienten angemessene, kompetente Lernsituation hergestellt werden kann. Die schriftliche Reflexion und die supervisierten Einzelstunden mit Klienten/Innen führen im vierten Jahr zu der Graduierung als diplomierte/r Lehrer/In der Feldenkrais Methode®.

Das Unmögliche möglich, das Mögliche angenehm und das Angenehme elegant machen.
Moshe Feldenkrais